Weihnachtsbräuche sind feste tradierte Bestandteile des Weihnachtsfestes, die
sich um das Geschehen und die Geschichte von Weihnachten herausgebildet haben. Wie alles
Brauchtum sind sie regional unterschiedlich ausgeprägt
Vorweihnachtszeit
Eine deutliche Verschiebung des Brauchtums in der Adventszeit ist seit dem 20.
Jahrhundert zu beobachten. Wurde sie ursprünglich als Fastenzeit begangen und war
äußerlich vom Alltag wenig unterscheidbar, wird in der Gegenwart das zu erwartende
Weihnachtsfest (nicht zuletzt durch verschiedene Marketingaktionen und -instrumente)
zunehmend in die Adventszeit vorverlegt.
Für die Adventszeit typisch ist das Backen
von Christstollen, oft viele Wochen vor dem Genuss. Denn Christstollen, die ältesten
deutschen Weihnachtsgebäcke (bereits anno 1330 urkundlich erwähnt) müssen aufgrund der
reichhaltigen Zutaten "reifen". Hierbei geben die in Rum getränkten Sultaninen
Geschmacks- und Zuckerstoffe an den umgebenden Teig ab. Diese verändern Konsistenz und
Geschmack des Stollens auf angenehme Weise. Zum Reifen werden die Stollen nach dem Backen
gut verpackt an einem kühlen und trockenen Platz mehrere Wochen gelagert.
Auf Weihnachtstischen und in Wohnzimmern finden große hölzerne Nussknacker,
Räuchermännchen, Bergmannsfiguren, Weihnachtskrippen, Spieldosen, aus Pfefferkuchen gebackene Hexenhäuschen mit den
Märchenfiguren Hänsel und Gretel, Weihnachtspyramiden mit christlichen und weltlichen
Motiven, an den Lampen Weihnachtssterne und Engel mehr und mehr Platz, je näher man an
Weihnachten herankommt.
In den Vorgärten einiger Häuser erstrahlen an Bäumen Lichterketten. In vielen
Fenstern werden Schwibbogen mit Lichterketten aufgestellt, die die Geburt Jesu Christi,
Bergbauszenen oder Tiere im Winterwald zum Motiv haben.
In den Wohnungen wird traditionell auf dem stehenden oder hängenden Adventskränzen
von Sonntag zu Sonntag von den vier Kerzen immer ein Licht mehr angezündet. Die modernere
Variante sind die Weihnachtsgestecke, die aus Nadelzweigen, Kerzen und anderen Accessoires
bestehen. Kinder erfreut ein Adventskalender, bei dem sie jeden Tag ein Fenster öffnen
und dabei eine kleine Süßigkeit oder ein kleines Geschenk finden.
Am 6. Dezember, am Nikolaustag, versteckt der Nikolaus in den sauber geputzten Schuhen
oder Stiefeln einige Süßigkeiten und kleine Geschenke. In einigen Gebieten kommen als
Nikolaus verkleidete Menschen, meist Verwandte oder ehrenamtliche Helfer der Pfarren, und
bringen die Geschenke. Insbesondere Kinder schreiben in der Vorweihnachtszeit
"Wunschzettel an das Christkind". Solche Wunschzettel können auch an besondere
Weihnachtspostämter versandt werden.
In vielen Orten werden Weihnachtsmärkte abgehalten, bei denen Kunsthandwerk,
Weihnachtsdekoration und Geschenkartikel, aber auch regional und Wintertypische übliche
Speisen und Getränke wie Lebkuchen oder Glühwein verkauft werden.
Vielfältige Weihnachtsfeiern werden für eine Vielzahl von Menschengruppen
veranstaltet, etwa von Betrieben und Vereinen, aber auch in Kindergärten, Schulen,
Altenheimen etc.
Auch Weihnachtskonzerte (z. B. das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach,
Messiah von Händel und andere Orgel- und Chorkonzerte) und auch Opernaufführungen
(insbesondere von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel und Mozarts Zauberflöte)
haben sich vielerorts zum festen Bestand des Weihnachtsbrauchtums in der Vorweihnachtszeit
entwickelt.
Weihnachtsbräuche zu Weihnachten
|