Kindleinwiegen

Kindleinwiegen – Ein Weihnachtsbrauch des Mittelalters

Das Kindleinwiegen ist auch unter den Begriffen Christkindlwiegen und Kindelwiegen bekannt. Dieser Brauch wurde seit dem 11. Jahrhundert während der Weihnachtszeit durchgeführt, hauptsächlich in der Kirche, teilweise auch in einem Kloster.

Ausgangspunkt dieses weihnachtlichen Brauchs liegt in Oberösterreich. Hierbei wird im Rahmen einer öffentlichen Aufführung das Christkind gewogen. Beim Christkind handelt es sich natürlich nicht um ein echtes Kind, sondern um eine Holz- oder Wachspuppe, die Jesus darstellen soll. Im Detail wird mit dieser Aufführung die Geburt Jesu nachgespielt – der Grund für Weihnachten. Diese Puppe liegt in einer alten Wiege, die man noch hin und her schaukeln konnte. Die Wiege war besonders schmuckvoll hergestellt und zeigte auf den Seitenwänden die Ankündigung der Hirten.In der Regel wurde eine handgeschnitzte Holzwiege verwendet, die mit Stroh ausgelegt wurde. Somit sollte Jesu Geburt naturgetreu nachgespielt werden.

Während des Kindleinwiegens werden diverse weihnachtliche Lieder gesunden, am bekanntesten ist hierbei das Lied „Joseph, oh Joseph mein“. Teilweise wiegt in der Vorstellung nur eine Person das Kindlein, teilweise wird eine Kette aus Mädchen gebildet, die alle eine eigenes Kindlein wiegen. Wichtig war nur, dass lediglich Kinder das Christkind wiegen durften und dabei die Lieder sangen. Teilweise wurde dieser Brauch früher auch in privaten Räumen durchgeführt. Hauptsächlich jedoch im Rahmen einer Vorführung, die stets öffentlich war. Abgesehen von Österreich war dieser Brauch sehr beliebt und besonders wichtig in der Augsburger Gegend. Hiervon zeugen frühere Weihnachtliederbücher, zum Beispiel das Weihnachtsliederbuch vom Augsburger Domvikar, der das Christkindwiegen sogar im Titel verwendet.

Vermutlich ist das Kindleinwiegen der Vorläufer der heute verwendeten Krippen, die in privaten Haushalten und in den Kirchen am Heiligen Abend aufgestellt werden. Der Brauch war in den letzten Jahrhunderten völlig ausgestorben und Eberhard Kummer aus Wien brachte diesen Brauch im Jahr 2012 wieder ins Leben. Seitdem wurde das Kindleinwiegen jedes Jahr in der Kirche St. Gertrud in Klosterneuburg aufgeführt. In Deutschland wird dieser Brauch nach wie vor nicht wieder durchgeführt.

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